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- 15.12.2011 Polizeieinsatz gegen postkoloniale Kunstperformance
- in Hamburgs Lettow-Vorbeck-Kaserne
- Die Begehung Kasernenechos: Widerstand und Widerhall, die am 9.12. anlässlich des 50. Jahrestags der Unabhängigkeit Tansanias in Hamburg-Jenfeld stattfand, wurde durch ein größeres Polizeiaufgebot abgebrochen. Die gleich mit mehreren Fahrzeugen anrückende Polizei drohte den Veranstaltern eine Strafanzeige wegen einer "unangemeldeten Demonstration" und Hausfriedensbruch an. Seit 2010 ist Hamburg Partnerstadt Dar es Salaams, der größten Stadt Tansanias.
- Während der Performance benannten die Teilnehmenden den "Kleinen Exerzierplatz" symbolisch in "Mohamed-Husen-Platz" um - in Erinnerung an den Kindersoldaten der deutschen "Schutztruppe" in Ostafrika, der später nach Deutschland kam und von den NS-Rassisten im KZ Sachsenhausen
- ermordet wurde. Gerade bei dieser temporären "Umbenennung" wurde die Performance von der Polizei jäh unterbrochen.
- mehr > (pdf 3 MB)
- Der Streit um den 'Tansania-Park' schwelt schon lange, die Proteste reißen nicht ab.
- Jenfelder Wochenblatt zur Performance und Polizeieinsatz (pdf 1,8 MB)
- "Tansania-Park" www.afrika-hamburg.de/tanzaniapark.html
- Proteste www.afrika-hamburg.de/proteste.html
- ZEIT-Artikel 'Eine deutsche Hölle' www.afrika-hamburg.de/artikel.html
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- 13.12.2011 Stadtmuseum von Brandenburg/Havel thematisiert städtische Straßennamen, mit denen die "Begründer" der ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika geehrt wurden und werden
- Im Rahmen eines Schülerpraktikums ist in Brandenburg/Havel die kleine Ausstellung "Kolonialismus nebenan?" zur ehemaligen Lüderitzstraße, zur Petersstraße und zur bis heute nicht umbenannten Nachtigalstraße entstanden. Die Ausstellung wirft einen kritischen Blick auf die Geschichte der "Kolonialbewegung" in der brandenburgisch-preußischen Provinz und auf den heutigen Umgang mit Deutschlands kolonialem Erbe.
- www.stadt-brandenburg.de/kunst-kultur/museen/stadtmuseum/vermittlung/praktikum-im-museum/kolonialismus
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- 24.10.2011 Stadt und Bezirk in Hannover wollen die Lettow-Vorbeck-Allee in Namibia-Allee umbenennen. AnwohnerInnen klagten dagegen und gehen jetzt in die Berufung
- In einem städtischen Gutachten wird der an drei Kolonialkriegen in China und Afrika sowie am "Kapp-Putsch" beteiligte General Paul von Lettow-Vorbeck (1870-1964) als menschenverachtend charakterisiert. Das Verwaltungsgericht hatte die Klage der AnwohnerInnen gegen die Umbenennung abgewiesen. Jetzt prüft das Oberverwaltungsgericht die Zulassung der Klage in zweiter Instanz.
- Einige AnwohnerInnen der langen Allee wollen nicht einsehen, dass die Ehrung Lettow-Vorbecks mit einem Straßennamen nicht mehr tragbar sei, andere beklagen, dass sie nicht gefragt worden sind. Grundsätzlich kann eine Stadt eine Straße rechtmäßig umbenennen, ohne die BürgerInnen zu fragen, dennoch wäre ein Dialog mit den Betroffenen ratsam. Ein weiteres Argument, die Umbenennung verursache Aufwand und Kosten, mutet noch seltsamer an angesichts des Prozesses in zwei Instanzen, der ebenfalls aufwändig und kostenintensiv ist.
- mehr > Hannoversche Allgemeine www.haz.de/Hannover/Aus-den-Stadtteilen/West
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- 31.05.2011 Der Deutsche Städtetag verschickt bundesweite Resolution
- Der Deutsche Städtetag verschickte die Resolution mit dem Aufruf zu einem grundlegenden Wandel im Umgang mit Deutschlands kolonialem Erbe, zur Umbenennung von Straßen, die koloniale Akteure ehren sowie zur Förderung postkolonialer Erinnerungskulturen an alle Mitglieder und Ständigen Gäste, "damit die Details der Initiative in die kommunale Kulturarbeit einfließen können". Der Kulturausschuss betont zugleich, "dass jede Stadt eigenständig entscheiden muss, wie sie dieses Thema auf Grundlage der örtlichen Gegebenheiten behandelt und welche der vorgeschlagenen Maßnahmen ergriffen werden sollen." Schreiben des Deutschen Städtetags
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- 13.05.2011 Berliner Parteien bekennen sich zur Förderung postkolonialer Erinnerungskultur
- Nachdem sich die Berliner SPD in ihrem Entwurf des Wahlprogramms 2011 für ein gesamtstädtisches Erinnerungskonzept und für die Schaffung eines postkolonialen Erinnerungsortes im so genannten Afrikanischen Viertel in Berlin-Wedding ausgesprochen hatte, haben sich auch Bündnis 90/Die Grünen und die Berliner LINKE in ihren aktuellen Wahlprogrammen zur Förderung einer postkolonialen Erinnerungskultur verpflichtet. Bündnis 90/Die Grünen wollen ein gesamtstädtisches Erinnerungskonzept zum Kolonialismus, das auch die Umbenennung von Straßen beinhaltet, die koloniale Akteure ehren. Die LINKE wird darüber hinaus die Errichtung ein Mahnmals für die Opfer von Kolonialismus, Sklaverei und Ausbeutung unterstützen. Die SPD ist in ihrem Wahlprogramm vom 13. Mai hinter ihren Entwurf vom Februar zurückgefallen, plant aber immerhin noch die Gestaltung eines "postkolonialen Erinnerungsortes 'Afrikanisches Viertel'".
- Auszüge aus den Wahlprogrammen Februar/Mai 2011
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- 29.04.2011 Bundesweite Resolution dem Deutschen Städtetag vorgelegt
- Die auf dem bundesweiten Vernetzungstreffen postkolonialer und erinnerungskultureller Initiativen freedom roads! - Vom Umgang mit kolonialen Straßennamen: Praxis und Visionen am 3.10.2010 in Berlin verabschiedete Resolution zu einem grundlegenden Wandel im Umgang mit Deutschlands kolonialem Erbe, zur Umbenennung von Straßen, die koloniale Akteure ehren sowie zur Förderung postkolonialer Erinnerungskulturen wurde dem Deutschen Städtetag vorgelegt. Der Kulturausschuss des Städtetages kam überein, "diese Resolution allen Mitgliedern zur Verfügung zu stellen".
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- 03.04.2011 "Benannt nach Sklavenhändlern und Mördern. Das sind Hamburg Straßen
- der Schande
- Sie gingen als der 'Schrecken von Kamerun' oder der 'Direktor des Sklavenhandels' in die Geschichte ein. Sie waren Steuermänner auf Sklavenschiffen und Anführer blutiger 'Strafexpeditionen'. Was die wenigsten wissen: Diese Männer, die es durch ihre Gräueltaten in fernen Ländern zu zweifelhaftem Ruhm gebracht haben, sind - auch noch im Jahr 2011 - Namensgeber für Hamburger Straßen."
- mehr > Hamburger Morgenpost www.mopo.de/hamburg/panorama/das-sind-hamburgs-strassen
- Mitdiskutieren!
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- 24.03.2011 Regierende SPD Hamburg-Wandsbek will postkoloniale Erinnerungskultur fördern: "Kein Askariweg in Jenfeld"
- Nach dem gemeinsamen Protest von freedom roads! und der Initiative Schwarze Menschen (ISD-Bund) gegen die vorgeschlagenen Straßennamen "Askariweg" und "Tansaniaring" in der massiv kolonialen Nachbarschaft zum sog. "Tansania-Park" in Hamburg-Jenfeld hat die frisch gewählte SPD-Bezirksfraktion schnell reagiert. Ihr kulturpolitischer Sprecher Ortwin Schuchardt griff die Forderungen der Kampagne für eine Dekolonisierung des öffentlichen Raums auf und erklärte: "Mit der SPD als Mehrheitsfraktion in der Bezirksversammlung wird es keinen Askariweg und auch keinen Tansaniaring in dem Gebiet Jenfelder Au geben. Die SPD-Bezirksfraktion wird alle Bestrebungen unterstützen, die ein von der Öffentlichkeit getragenes postkoloniales Erinnerungskonzept beinhalten. Dabei sollen die Opfer, Gegnerinnen und Gegner der deutschen Kolonialherrschaft gewürdigt und geehrt werden." (Pressemitteilung der SPD Wandsbek: www.spdfraktion-wandsbek.de/2011/03)
- Die Initiative freedom roads!, die u.a. vom Eine Welt Netzwerk Hamburg unterstützt wird, hatte sich alternativ für einen "Mohamed-Husen-Weg" ausgesprochen, der an den ehemaligen Askari-Kindersoldaten Mahjub bin Adam Mohamed alias Mohamed Husen erinnern soll. Der in Dar es Salaam geborene Schauspieler wurde von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Sachsenhausen ermordet.
- Kampagnen-Pressemitteilung: "Hamburg braucht keinen Askari-Weg!"
- Artikel Unschöne Nachbarschaften (pdf 2 MB) u.a. zu Mohamed Husen
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- 11.03.2011 Geschichtsvergessen und deplatziert: Hamburg plant neue Straßennamen
- Seit acht Jahren schon wird in Hamburg-Wandsbek der sog. 'Tansaniapark' mit den 'Askari-Reliefs' und dem angrenzenden kolonialen Fassadenschmuck mit den Konterfeis berüchtigter 'Schutztruppen'-Kommandeure kontrovers diskutiert. Auf dem Gelände der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne entsteht nun eine Wohnsiedlung mit neuen Straßen. Die AG 'Wohnen und Verkehr' der Stadtteilkonferenz Jenfeld hat dafür kürzlich zwei neue Straßennamen beantragt. Zum einen soll es einen 'Askariweg' geben - ein Name, der nahtlos anknüpfen würde an die Botschaft der nationalsozialistischen 'Askari-Reliefs', die den kolonialen Mythos von der vermeintlichen 'Treue der Askari' (Schwarze Kolonialsoldaten in deutschen Diensten) martialisch ins Bild setzen. Neben diesem inakzeptablen Namen ist auch ein 'Tansaniaring' vorgeschlagen worden, der in dieser massiv kolonialen und bisher nur unzureichend kommentierten Umgebung deplatziert wäre.
- Pressemitteilung von freedom roads!: "Hamburg braucht keinen Askari-Weg!"
- Historische und aktuelle Hintergründe: Unschöne Nachbarschaften (pdf 2 MB)
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- Ebenso deplatziert erscheinen zwei weitere Straßennamen, die für Hamburgs HafenCity geplant sind. Zwei Tage nach den Hamburg-Wahlen hat der gerade noch amtierende Kultursenator des CDU Interimssenats, Reinhard Stuth, per Eilverfahren beantragt, dort einen Platz nach Dar es Salaam, der neuen tansanischen Partnerstadt Hamburgs, zu benennen. Die angrenzende Fußgängerbrücke soll León, Partnerstadt in Nicaragua, würdigen. Diese zwei neuen Straßennamen sind grundsätzlich zu begrüßen. Dass der 'Dar-es-Salaam-Platz' aber unmittelbar vor dem Internationalen Maritimen Museum des Peter Tamm platziert wird und die 'León-Brücke' direkt zum Museumseingang führt, ist höchst problematisch. Denn das Tamm-Museum hat sich trotz massiver bundesweiter Kritik nicht von seiner verharmlosenden Sicht auf die Geschichte der europäischen Eroberungen, die Kolonialgeschichte und den Handel mit versklavten Menschen distanziert.
- Kritik des Tamm-Museums:
- Projekt TAMM TAMM Künstler informieren Politiker: news.web-hh.de/tamm.php
- Kritische Analyse der Museumspräsentation: www.thing-hamburg.de/index.php?id=826
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(l.) Die Askari-Reliefs im sog. 'Tansania-Park' versinnbildlichen die vermeintliche 'Treue' der afrikanischen Askarisoldaten zum 'ihrem' weißen Führer. (r.) Das Internationale Maritime Museum des Peter Tamm in der HafenCity Hamburg und die Lage der geplanten neuen Straßennamen |
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- 09.03.2011 Lettow-Vorbeck-Straße in Wuppertal umbenannt
- Die Bezirksvertretung in Wuppertal-Vohwinkel hat mit der Mehrheit der Stimmen der CDU- und SPD-Fraktionen beschlossen, die seit 1935 nach dem Kolonialgeneral Paul von Lettow-Vorbeck benannte Straße nach dem Wuppertaler Maler und Grafiker Ernst Oberhoff umzubenennen. Hierbei setzten sich die Fraktionen über das Votum von Wuppertaler Bürgerinnen und Bürgern hinweg, die Benennungen nach Edith Stein, nach Namibia oder nach dem ursprünglichen Namen Alte Friedrichstraße favorisiert hatten. Damit endete ein Entscheidungsprozess, der bereits im März 2006 mit dem ersten Antrag auf Umbenennung durch die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen begonnen hatte. Die Entscheidung der Bezirksvertretung bedarf allerdings noch der Zustimmung der Verwaltung.
- Uwe Schulte-Varendorff
- www.wz-newsline.de/lokales/wuppertal/stadtteile/vohwinkel/die-entscheidung-steht
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- 03.03.2011 Die Lettow-Vorbeck-Allee in Hannover darf umbenannt werden
- Das Verwaltungsgericht in Hannover hat entschieden, dass der Beschluss des Rates der Stadt Hannover vom 22. Oktober 2009, die Lettow-Vorbeck-Allee in Namibia-Allee umzubenennen, rechtens ist. Gegen diesen Beschluss hatte es eine Klage eines anwohnenden Ehepaares gegeben, das die Umbenennung der 1937 nach dem Kolonialgeneral Paul von Lettow-Vorbeck benannten Allee abgelehnt hatte. Zur Begründung wurde angeführt, dass ein vom Rat der Stadt Hannover in Auftrag gegebenes Gutachten vom Afrikahistoriker Prof. Dr. Helmut Bley keine taugliche Rechts- bzw. Entscheidungsgrundlage abgegeben hätte, da es tendenziös und unsauber gearbeitet gewesen sei. Dem widersprach nun das Verwaltungsgericht in seiner Urteilsbegründung eindeutig.
- Uwe Schulte-Varendorff
- www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Lettow-Vorbeck-Allee-in-Hannover
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- 26.02.2011 5. Gedenkmarsch für die afrikanischen Opfer von Sklavenhandel, Sklaverei, Kolonialismus und Rassismus in Berlin
- Seit nunmehr fünf Jahren lädt das Komitee für die Errichtung eines afrikanischen Denkmals in Berlin (KADIB) zum alljährlichen Gedenkzug für die Opfer des Kolonialismus ein. Ort und Zeit des Treffens sind bewußt gewählt: Die AktivistInnen kommen genau an dem Platz in der Berliner Wilhelmstraße und an dem Wochenende im Februar zusammen, an dem 1885 die Schlussakte der skandalösen Berliner Afrika-Konferenz unterzeichnet wurde.
- In seiner diesjährigen Gedenkrede forderte Moctar Kamara nachdrücklich die Errichtung einer Gedenkstätte für die afrikanischen Opfer rassistischer Gewalt. Der Vorsitzende des Afrika-Rats Berlin Brandenburg kritisierte das Fehlen einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus in Deutschland und verwies insbesondere auf die unerträgliche Ehrung von Kolonialverbrechern und Sklavenhändlern mit Straßennamen in zahlreichen deutschen Städten.
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Fotos: D. Stegemann |
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- 23.2.2011 Online-Abstimmung zu kolonialen Straßennamen in Karlsruhe
- Die Karlsruher Grünen beantragten 2010 bei der Stadtverwaltung die Durchsicht des städtischen Straßenverzeichnisses nach Personen, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben. Ihre Mindestforderung war, diese Straßennamen im öffentlichen Raum zu kommentieren. Die Stadt hat nun u.a. die Wissmannstraße und die Lüderitzstraße mit Erklärungsschildern versehen. Jetzt wird über das weitere Vorgehen diskutiert. Sollen die Straßen umbenannt werden, wie die Karlsruher Carl-Peters-Straße, die schon 1987 einen neuen Namen bekam? Oder soll man die Kolonialisten weiter ehren? Zu diesen Fragen hier eine online-Abstimmung:
- www.ka-news.de/region/karlsruhe/Umfrage-Kritische-Strassennamen-aus-Karlsruhe-verbannen-;art6066,562949
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- 15.1.2011 Leipzig ehrt Patrice Lumumba
- Aus Anlass des 50. Todestages des prominenten Freiheitskämpfers und 1961 ermordeten kongolesischen Präsidenten wurde am 15. Januar 2011 in Leipzig das Denkmal für Patrice Lumumba wiedererrichtet. Die Büste war im November 1961 vor dem früheren Herder-Institut der dortigen Universität errichtet und 1997 gestohlen worden. Dank einer bundesweiten Spendenaktion, die von der Deutsch-Afrikanischen Gesellschaft Leipzig e.V. organisiert wurde, konnte sie nun bei einem Festakt mit mehr als 100 Gästen und in Anwesenheit der kongolesischen Botschafterin Kamanga Clementine Shakembo neu aufgestellt werden. Die Lumumba- Büste zählt zu den wenigen Denkmalen in Deutschland, die Schwarze Menschen ehren.
- sodi.de/campaigns_detail.php?camp_id=22
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- 18.12.2010 Umbenennungen von Gustav-Frenssen-Straßen - wer weiß mehr?
- Während sich in Hannover, Bad Segeberg, Brunsbüttel, Büdelsdorf, Heide und Heiligenhafen noch immer Straßen finden, die den Schriftsteller Gustav Frenssen ehren, sind in einigen Städten und Gemeinden (St. Peter Ording 1995, Bad Oldesloe 1999) Frenssen ehrende Straßen umbenannt worden, mit der Begründung, dass er ein Nationalsozialist und Antisemit war. Sein kolonial-rassistischer Jugendbuch-Bestseller 'Peter Moors Fahrt nach Südwest. Ein Feldzugbericht' (1906; 100.000 verkaufte Exemplare in den ersten zwei Monaten), ein propagandistisches Werk für den vermeintlich 'gerechten' Kampf der 'Germanen' gegen AfrikanerInnen beim Völkermord an den Herero, blieb bisher bei den Straßenumbenennungsdebatten leider unerwähnt. Schon vor Hans Grimm prägte Frenssen 1898 die imperiale Parole 'Volk ohne Raum'. Leider fehlen uns konkrete Hinweise zu weiteren Umbenennungen der Fressenstraßen. Über Informationen freuen wir uns an art[at]freedom-roads.de
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- 14.12.2010 Nächtens eine symbolische Straßenumbenennung im Berlin-Wedding
- Im 'Afrikanischen Viertel' haben Unbekannte in einer nächtlichen Aktion mehrere koloniale Straßennamen mit Namen von afrikanischen Persönlichkeiten überklebt: Lumumbaplatz, Bantu-Biko-Straße, Rodneyallee, Ken-Saro-Wiwa-Straße, Hendrik-Witbooi-Straße, Lilian-Ngoyi-Straße und Mumia-Abu-Jamal-Straße. Die papiernen Überklebungen wurden vom Tiefbauamt schnell entfernt, die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung.
- de.indymedia.org/2010/12/296378.shtml
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- 12.12.2010 Oldenburg Postkolonial fordert Umbenennung der Bismarckstraße in
- Thomas-Sankara-Straße
- Am letzten Sonntag machte sich die Gruppe 'Oldenburg postkolonial' auf den Weg ins Dobbenviertel und benannte kurzerhand die Bismarckstraße in Thomas-Sankara-Straße um. Diese Aktion, so ihre Pressemitteilung (regentied.blogsport.de/2010/12/15/thomas-sankara-strasse-eingeweiht), soll als Schritt verstanden werden, den "Kolonialismus, der die aktuelle globale Weltordnung und auch die Position der BRD darin maßgeblich bestimmt hat", stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.
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- Fotos: Oldenburg Postkolonial
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- 9.12.2010 Debatte um Umbenennung der Wißmannstraße und des Dominikwegs in der Bezirksversammlung Hamburg-Wandsbek
- Erstmalig diskutiert Hamburg koloniale Straßennamen. Impulsgebend hierfür war unsere Tagung freedom roads! - Vom Umgang mit kolonialen Straßennamen: Praxis und Visionen am 2.-3.10.2010 in Berlin genauso wie die darauf folgenden Parteitagsbeschlüsse der Berliner Grünen und SPD. Die Hamburger GAL im Bezirk Wandsbek stellte nun in der Wandsbeker Bezirksversammlung einen Antrag auf die Umbenennung der Wißmannstraße (benannt 1950) und des Dominikwegs (1947). Beide Straßen sind in der Nähe der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne, auf deren Gelände im sog. 'Tansania-Park' oder 'Geschichtsgarten' die umstrittenen 'Askari-Reliefs' stehen. Auf dem 'Kleinen Exezierplatz' befinden sich an den Häuserfassaden Terrakotta-Reliefs von alten 'Kolonialhelden' wie Hermann Wißmann, Lothar Trotha, Kurt Schleinitz, Paul Lettow-Vorbeck, Eduard Liebert.
- Teils skurrile Redebeiträge der Parteien begleiteten die Debatte in der Bezirksversammlung. Ungerührt von der Tatsache, dass in vielen Städten bereits Kolonialakteure ehrende Straßen umbenannt wurden und werden (s. Straßenumbenennungen), sind die in Wandsbek regierenden CDU und FDP klar dagegen. Den GAL-Antrag ironisierend machte Philip Buse (CDU) denn auch gleich den Vorschlag, das ganze Hamburger Generalsviertel umzubenennen und das mächtige Bismarck-Denkmal am Hafen in die Luft zu sprengen. Die SPD fand Gefallen am Antrag und schlägt sogleich sozialdemokratische Politikerinnen als neue Namensgeberinnen vor, die GAL Frauen aus dem afrikanischen Widerstand oder Opfer des Kolonialismus und die Wandbeker Linke unterstützt so oder so das Vorhaben. Das Thema wurde schließlich in den Fachausschuss FINK, Finanzen und Kultur verwiesen. Die benachbarten Straßen, die nach wie vor eine zentrale Figur im transatlantischen Sklavenhandel ehren, stehen in der Wandsbeker Politik offensichtlich noch nicht zur Debatte: Schimmelmannstraße (vor 1864), Schimmelmannstieg (1945), Schimmelmannallee (1951) und Schatzmeisterstraße (vor 1864) nach Heinrich Carl Schimmelmann (1724-1782).
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- 5.12.2010 Das koloniale Köln
- Aus Köln kommt die folgende Mail: "Vielen Dank für Euer tolles, wichtiges Projekt!!! ... Gerne würde ich noch beitragen, dass hier in Köln ein ganzes Viertel 'Vogelsang' heißt, was durch die Vogelsanger Strasse begrenzt wird. Neben der Takustrasse gibt es auch noch ein Takufeld und den Takupark. Ich muß ehrlich gestehen, dass ich keine Ahnung von den vielen Strassen-Namen und ihrem kolonialen Bezug hatte - umso wichtiger, dies zu ändern!"
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- 1.12.2010 Umwidmung Karl-Peters-Straße in Schweinfurth-Steinberg
- Uns erreicht am 10.12. eine Mail von der Universität Bamberg: Karl-Peters-Straße in Schweinfurth ist umgewidmet und soll ab jetzt den bekannten Kriminalwissenschaftler Karl Peters würdigen. Statt das Gespräch mit den BürgerInnen zu suchen, entschied sich der Stadtrat für eine Umwidmung, damit den AnwohnerInnen Unannehmlichkeiten mit Addressänderungen erspart würden. Ob dem neuen Namensgeber damit gedient ist, ist fraglich. Wird dabei nicht doch immer noch der alte Name nach dem Kolonialverbrecher in Erinnerung bleiben? Aus postkolonialer Sicht ist eine solche Umwidmung allenfalls eine halbherzige Lösung. www.mainpost.de/regional/schweinfurt/Kuenftig-heisst-die-Karl-Peters-Karl-Peters-Strasse;art781,5852976
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- 13.11.2010 Beschluss des Landesparteitages der Berliner SPD für postkoloniale Erinnerungskultur
- Der von Karl-Heinz Niedermeyer, dem Sprecher des Fachausschusses Internationale Politik der SPD Berlin eingereichte Antrag 'Für ein gesamtstädtisches Konzept zur postkolonialen Erinnerungskultur in Berlin' wird vom Landesparteitag mehrheitlich befürwortet.
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- 7.10.2010 Die Berliner Landesdelegiertenkonferenz der Grünen ist für Umbenennungen von kolonialen Straßennamen
- Mit großer Mehrheit verabschieden die Berliner Grünen das von Elvira Pichler verfasste Papier 'Für die Schaffung einer postkolonialen Erinnerungskultur in Berlin', das auch die Umbenennung von Straßen verlangt, die Kolonialakteure ehren.
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- 2.-3.10.2010 bundesweite Tagung freedom roads! - Vom Umgang mit kolonialen Straßennamen: Praxis und Visionen
- Die Tagung bot eine Plattform für Erfahrungen der lokalen Initiativen im Umgang mit AnwohnerInnen, LokalpolitikerInnen und PressevertreterInnen. Zusammen kamen VertreterInnen aus postkolonialen Initiativen, aus Organisationen der People of Colour, aus Bildungseinrichtungen und Fachausschüssen der politischen Parteien sowie WissenschaftlerInnen, KünstlerInnen, AktivistInnen, StudentInnen, PolitikerInnen. ReferentInnen berichteten über Herangehensweisen, Prozesse, öffentliche Debatten, Schwierigkeiten und auch Erfolge bei Straßenumbenennungen. Die TagungsteilnehmerInnen diskutierten Praxis und Visionen postkolonialer Erinnerungskulturen im Stadtraum. Gemeinsam wurden politische und kreative Strategien weiter entwickelt. Die Tagung schloss mit einer Resolution ab. Zum Tagungsprogramm gehörte eine Führung durch die Ausstellung freedom roads! und eine Besichtigungstour durch das "Afrikanische Viertel" in Berlin-Wedding. mehr >
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